CS5 und Feature Fatigue
CS5 steht vor der Tür und das Marketing führt sein immerwährendes Tänzchen auf:
Jetzt neu… jetzt 30% mehr… verbesserte Rezeptur.
Es ist das Problem vieler großer Software-Hersteller: Eine neue Version verkauft sich über neue Features, nicht über die Optimierung der alten.
Ich arbeite schon so lange mit Adobe Produkten. Und manchmal habe ich das Gefühl, daß ich mich der Software über die Jahre mehr angepasst habe als umgekehrt. Ich bin immer weniger bereit dazu. Im Gegenteil: ich erwarte, daß pfiffige Engineers sich darum Gedanken machen und mir dieses Problem vom Hals schaffen.
Und wenn es wieder heißt »Jetzt alles besser«, stellt sich natürlich die Frage, ob das Upgrade sein Versprechen hält. Um das herauszufinden, schließe man die Augen, wenn das Marketing seine Blendgranaten verschleudert.
Es sind nie die großen Headliner wie »3D-Werkzeuge«, »automatische Ebenenausrichtung« oder »sanftes Schwenken und Zoomen«, die ein Update für mich lohnenswert machen. Ganz ehrlich, im wahren Leben brauche ich dieses ganze Zeuch einfach nicht.
Perfection is achieved, not when there is nothing left to add, but when there is nothing left to take away.
ANTOINE DE ST.EXUPERY
Jedes einzelne Programm der Creative Suite ist so unglaublich mächtig. Im Tagesgeschäft nutze ich nur einen Bruchteil dessen, was möglich oder auch schnellstmöglich wäre (wobei letzteres mich viel mehr interessiert als ersteres).
Schon klar. Man preist kein 900 Euro Upgrade mit den Worten an »wir haben alte Fehler ausgemerzt und die Zusammenarbeit der Komponenten verbessert«.
Das ist einfach kein guter Pitch, wenn man schnell und viel verkaufen möchte.
Dabei sind es die kleinen Dinge, die das Leben einfacher machen. Einmal konsequent entmisten wäre sicherlich ein riesiger Schritt zu mehr Vertrauen und Kundenzufriedenheit.
Ich wäre sofort bereit, den vollen Preis für ein »unter der Haube«-Upgrade der Suite zu zahlen,
- wo die Grenze zwischen den Programmen wieder klar umrissen ist.
- wo die einzelnen Komponenten wirklich nahtlos zusammenspielen
- wo die Performance und Usability nicht irgendwelchen Flash-Experimenten geopfert wird
- wo exotische Funktionen in Plugins ausgelagert sind, die ich deaktivieren kann
- wo die User Experience viel viel weiter vereinheitlicht ist, als es momentan der Fall ist.
- wo Stabilität Vorrang hat.
Ja, ich weiß. Der Vergleich nervt. Aber Apple hat es vorgemacht. Ich würde zu gern wissen, welche Erfahrungen sie mit dem Update von Leopard auf Snow Leopard gesammelt haben. So dankbar war ich selten für ein Update, das kaum neue Features, dafür aber Unmengen an Verbesserungen »unter der Haube« gebracht hat. Es ist wirklich schneller geworden, wirklich schlanker und einfacher zu nutzen. Das merke ich jeden Tag, liebe es und weiß dank meiner Lieblingsgrafik auch warum:
